spacehulk

Eine Brettspiel Umsetzung für den PC? “Unnötig” werden jetzt manche denken, doch EA brachte bereits 1993 die erste Version des Spiels für PC und Amiga heraus. Aber das Brettspiel von 1989 ist heute praktisch ein Sammlerstück, nur noch für rund 300€ zu haben und selbst die erst 2009 erschienene dritte Edition war nach nur wenigen Tagen ausverkauft. Das Spiel, welches XCOM ähnelt, zeigt einige Stärken, aber noch mehr Schwächen. Ob das 30€ teure PC-Spiel, vom unabhängigen Entwicklerstudio Full Control neu gemacht, ein würdiger Nachfolger für das Kultspiel der 80er-Jahre ist, klärt der Test.

 

Bei der Story haben sich die Entwickler wenig Mühe gemacht, obwohl es an Schreiberlingen, für Werke im Warhammer 40.000 Universum von Games Workshop, wirklich nicht mangelt. Die Geschichte wird nur durch vertonte Texte im Missionsbriefing vorangetrieben, was in Zeiten von Zwischensequenzen in Spielegrafik mehr als veraltet ist. Im Intro wird erzählt, dass in der Vergangenheit eine Gruppe von Space Marines des Blood Angel-Ordens einen Space Hulk, ein gigantisches Wrack, verschmolzen aus vielen verschiedenen Schiffen, untersuchten und auf starken Widerstand durch Genestealer der Tyraniden stießen. Niemand der Gruppe überlebte. Nun nach ca.  60 Jahren taucht der Space Hulk in der Nähe des Heimatplaneten der Blood Angels wieder auf. Diese entsenden sofort eine Gruppe Elitekrieger, die Terminatoren, um die Genestealer auszurotten. Der Spieler steuert im Spiel die Terminatoren oder im Multiplayer auch die Genestealer. Man wird von Mission zu Mission geschickt, um kriegsrelevante Aufgaben zu erfüllen, jedoch gibt es fast keinen Hintergrund in den Missionen.  Es werden keine Charaktere näher vorgestellt und so bleibt das Spiel klinisch, wie die Brettspielvorlage. Nicht mal die, von den meisten Autoren der Warhammer 40K verwendete, Einführung in dieses überaus komplizierte Universum kommt vor. Neulinge werden einfach ins kalte Wasser geschmissen. Damit es euch nicht so geht, hier die eben erwähnte Einführung in diese düstere Welt:

 

Wir schreiben das 41. Jahrtausend. Seit mehr als einhundert Jahrhunderten sitzt der Imperator reglos auf dem Goldenen Thron von Terra. Durch den Willen der Götter ist er der Herr der Menschheit und durch die Macht seiner unerschöpflichen Armeen der Gebieter über Millionen von Welten. Er ist ein verwesender Leichnam, der von unverstandenen Kräften aus dem Dunklen Zeitalter der Technologie durchströmt wird. Er ist der verfallene Herrscher des Imperiums, für den jeden Tag eintausend Seelen geopfert werden, auf dass er niemals wirklich sterbe.

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Doch auch in seinem unsterblichen Schlaf wacht der Imperator auf ewig weiter. Mächtige Kriegsflotten durchqueren das von Dämonen heimgesuchte Miasma des Warp, die einzige Verbindung zwischen fernen Sternen, ihr Weg erleuchtet durch das Astronomican, die psionische Manifestation des Willens des Imperators. Gewaltige Armeen ziehen auf zahllosen Welten in seinem Namen in den Kampf. Die mächtigsten unter ihnen sind das Adeptus Astartes, die Space Marines – biotechnisch veränderte Superkrieger. An ihrer Seite stehen Tausende und Abertausende Soldaten der Imperialen Armee, unzählige planetare Verteidigungsstreitkräfte, die ewig wachsame Inquisition und die Techpriester des Adeptus Mechanicus. Dennoch reichen ihre Taten kaum aus, um die immerwährende Bedrohung durch Xenos, Häretiker, Mutanten und Schlimmeres in Schach zu halten.

In jener Zeit zu leben bedeutet, einer unter vielen Milliarden zu sein. Es bedeutet, unter einem unvorstellbar grausamen und blutigen Regime zu leben. Dies ist die Geschichte jener Zeit. Vergiss die Macht der Technologie und der Wissenschaft, denn vieles ist vergessen worden, um nie wieder erlernt zu werden. Vergiss das Versprechen des Fortschritts und der Aufklärung, denn in der dunklen Zukunft gibt es nur den Krieg. Es existiert kein Frieden zwischen den Sternen, nur ewig währender Kampf und das Gelächter blutdürstiger Götter.

 

 

Wie das Brettspiel ist auch die PC-Version von Space Hulk streng rundenbasiert. Man kontrolliert eine unterschiedliche Anzahl von Space Marines, unterteilt in Squads zu je maximal 5 Mann. Jeder Charakter hat Aktionspunkte (AP) welche für jede, und zwar für wirklich jede, Aktion benötigt werden. Sich drehen: 1AP -Türen öffnen: 1AP -Gegenstände übergeben: 1AP – usw. Jeder Space Marine hat 4 AP, also ist umfassende Planung empfohlen, denn jeder AP zählt. Es gibt noch einen Pool von AP, die auf jeden Space Marine nach Bedarf verteilt werden können, die sogenannten Commando Points (CP). Jeder Space Marine hat, je nach Bewaffnung, unterschiedliche Stärken und Schwächen. So gibt es die Nahkampfspezialisten, ausgerüstet mit Hammer oder Energieklauen, und die Fernkampfspezialisten mit einer Art schweren MG. Außerdem gibt es Spezialeinheiten, die, richtig eingesetzt, sehr mächtig sein können. Dies sind der Flammenwerfer und der Liberian, welcher mit seinen psionischen Fähigkeiten der mächtigste Space Marine ist. Doch fast alles, außer der Standardwaffe und dem Nahkampf, ist mit begrenzter Munition versehen. So kann der Schütze der MG-artigen Assault Cannon maximal 20 Gegner erledigen, wenn er nicht verfehlt. Der Flammenwerfer hat nur 6 Schuss und der Einsatz der psionischen Fähigkeiten ist auch begrenzt. Man erkennt sofort, dass das Spiel es einem nicht leicht macht. Die einzelnen Missionen sind abwechslungsreich. Mal muss man die Stellung halten, mal jemanden eskortieren oder ein Artefakt retten.  Der Schwierigkeitsgrad ist zwar von Level zu Level stark unterschiedlich, doch im Vergleich zum nächsten Verwandten, XCOM, sind sie schwer. Dies hat auch mit dem absoluten Zufallssystem zu tun. Alles wird durch Würfel entschieden. Trifft mein Space Marine, hat er eine Ladehemmung oder fliegt ihm gar die Waffe in die Luft und tötet ihn und alle um ihn herum? Alles wird durch die verfluchte Augenzahl auf den Würfeln bestimmt. Da kommen beim dritten Anlauf eines Levels Gefühle wie beim freudigen Familienspiel “Mensch ärgere dich nicht” auf, wenn einfach nichts klappt.

 

Mit ein bisschen Pech sieht es so öfter am Ende der Runde aus

Mit ein bisschen Pech sieht es so öfter am Ende der Runde aus

 

Ich habe eine Abneigung gegen glücksbasierte Spiele entwickelt, denn ich will meinen Gegner mit überlegener Taktik und richtigem Einsatz der Spezialfähigkeiten besiegen und nicht wegen einer simplen Zahl auf einem kleinen Stück Plastik. Dies ist in Space Hulk leider nicht immer möglich und so darf man am Ende jeder Runde den Würfelgöttern danken oder sie eben verfluchen. Hier kann man natürlich sagen, dass bei XCOM auch Glück eine Rolle spielt, aber bei XCOM kann man den Glücksfaktor minimieren, wenn man seine Charaktere richtig einsetzt. Dies ist im Spiel von Full Control, durch die zwar großen, aber engen Level selten möglich. Ein großes Feature beim originalen Brettspiel war, dass man bei jedem neuen Durchspielen die Level der Missionen verändern konnte. Da stellt sich einem doch die Frage wieso es keinen Editor gibt, mit dem man neue Missionen erstellen oder die alten verändern kann. Der Entwickler hat schon angekündigt, dass sie dieses Feature in naher Zukunft kostenlos nachliefern wollen. Dies wirkt sich aber definitiv sehr negativ auf das momentane Spielgefühl aus. Was aber immernoch möglich ist, ist das lustige Zusammensitzen bei einer Runde Space Hulk. Denn es gibt einen LOKALEN Multiplayer. Da kommen bei mir Erinnerungen an Zeiten zum Vorschein, wo man zu viert vor der Konsole saß und auf winzigen Splitscreens gespielt hat. Dies ist im sogenannten Hotseat-Modus von Space Hulk nicht nötig. Jedoch empfiehlt es sich, dass der Space Marine Spieler, während des Zugs der Genestealer, nochmal Chips holen geht, sonst sieht er frühzeitig die Stärke der anrückenden Horde. 

 

Die Grafik des Spiels ist in fast allen Bereichen veraltet. Die Level sehen fast immer gleich aus und man muss schon sehr nah heranzoomen, um Unterschiede in den Leveln festzustellen. Dies ist auch nicht mit dem Argument zu entkräften, dass ja alles auf einem Raumschiff spielt. Denn wer sich mit dem Warhammer 40K Universum auskennt, weiß, dass ein Space Hulk aus verschiedenen Schiffen besteht, sogar aus Schiffen mit außerirdischem Ursprung. Hier hätte sich die Möglichkeit ergeben, mehr Abwechslung in das Leveldesign zu bringen. So aber spielt das ganze Spiel in den Korridoren eines offensichtlich imperialen Schiffs. Dahingegen sind die einzelnen Modelle der Space Marines sehr detailreich gestaltet. Jeder Space Marine hat Unterschiede bei der Verzierung der Rüstung und lassen sich schon dadurch unterscheiden. Dies ist aber bei nur ungefähr einem Dutzend unterschiedlicher Charakter(-modelle) keine überdurchschnittliche Leistung. Die Effekte der Waffen und Spezialfähigkeiten sind eher mau. Da bietet nur der Flammenwerfer und der Energiehammer etwas fürs Auge. Ansonsten gibt es kleinere Fehler mit der Kollisionsabfrage und man erkennt oft erst am Bildschirm, ob man getroffen hat, wenn der Tyranid zerplatzt, da die Kugeln irgendwohin fliegen, bloß nicht auf den Gegner zu.

 

Flamethrower

 

Der Sound ist nicht schlecht, aber reißt auch nichts raus. Die Bolterschüsse hallen durch die Gänge, die Auto Cannon rattert mächtig und der Energiehammer gibt einen schönen Rumms von sich. Leider gab es des Öfteren einen Bug, bei dem die Soundeffekte einfach wegblieben. Musik gibt es leider nur in den Menüs.

 

Fazit:

Ich habe das Spiel gespielt, ohne das Original jemals ausprobiert zu haben und kann daher keinen nostalgischen Wert in meine Bewertung mit einfließen lassen. Insgesamt macht das Spiel Spaß, hat jedoch auch seine Frustmomente. Das Spiel wirkt, für mich, jedoch uninspiriert. Es versucht nicht mehr, als eben eine Umsetzung des Brettspiels für den PC zu sein, wobei viel Potential verloren geht. Für Fans des Brettspiels ist es sicherlich toll, den Klassiker nun auch unkompliziert auf dem PC zu spielen und Fans des Wh40K-Universums können dem Spiel eine Chance geben. Für alle anderen sind die 30€ zuviel für ein Spiel von eher kleinem Umfang. Der Entwickler hat weitere DLC’s angekündigt, ob diese kostenlos sein werden, ist jedoch nicht bekannt. Das Spiel bekommt von mir 4 von 10 möglichen Aquillia.

 

Space Hulk Aquilla

 

 

 

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© Newsbild: dualshockers.com

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